Provokation im amerikanischen Rap

Deutsche Rapper wie Kollegah, Farid Bang oder der Berliner Bushido, der zu Gewalt gegen Grünen-Politikerin Claudia Roth aufrief und auch durch seine Verbindungen zu einem kriminellen Familienclan in die Schlagzeilen geriet, machen viel Geld mit ihren gezielten Provokationen und Angriffen in, aber auch abseits ihrer Liedtexte.

Dabei ist dieses Prinzip aber keineswegs auf dem Mist der deutschen Rap-Crews aus Berlin und Düsseldorf gewachsen. Den Ursprung der gezielten Provokation als Marketing-Maßnahme findet man bei den amerikanischen Kollegen in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts – wobei die Anfänge nicht wirklich der Eigenvermarktung dienen sollten.

Gewalt im HipHop

HipHop und Rap waren ursprünglich eine Musikrichtung der schwarzen Bevölkerung, die mit dieser Musikart eine Stimme fand um ihren Frust gegenüber der Unterdrückung durch das weiße Amerika Luft zu machen. Statt Gleichheit und Brüderlichkeit waren viele Afro-Amerikaner noch von rassistischen Ausfällen betroffen und lebten in bitterer Armut. Der Sprechgesang entwickelte sich daher in den Slums als eine Mischung aus Freizeitbeschäftigung und Informationsmedium. Dass diese Form der Musik 20 Jahre später ein Millionengeschäft sein könnte, hatten wohl die wenigsten geahnt.

Aus den armen Verhältnissen heraus entwickelte sich jedoch nicht nur Rap und HipHop, sondern auch die Gangkultur mit der viele amerikanische Städte auch heute noch zu kämpfen haben. Schnell entstanden innerhalb der noch jungen Szene Rivalitäten. Eine der bekanntesten ist wohl East Coast vs. West Coast, also Ostküste gegen Westküste. An beiden Küsten entwickelte sich ein ganz eigener Stil, der von den jeweiligen Rappern als der “echte” HipHop angesehen wurde. Rapper wie Notorious B.I.G. oder 2Pac, die beide zur East Coast Bewegung gehörten und in der New Yorker Szene aktiv waren, wurden mit die ersten Opfer dieser Rivalität. Beide wurden von gegnerischen Gangs auf offener Straße erschossen.

Berühmte Vertreter der West Coast sind unter anderem N.W.A., Dr. Dre und Snoop Dogg, die ebenfalls mit den Gegebenheiten zu kämpfen hatten und aus ihrer Vergangenheit inzwischen ein lukratives Image aufgebaut haben.

Gewalt als Marketing-Maßnahme

Heute ist die Gewalt im HipHop immer noch allgegenwärtig, wird aber meist als Stilmittel genutzt und hat keinen “echten” Background wie noch vor 30 Jahren. Rivalitäten werden künstlich erschaffen und aufrechterhalten, und auch das Image des harten Gangsters verkauft sich im HipHop nach wie vor besser, als das Image vom Saubermann ohne “Street Credibility”. Dass es aber auch ohne geht zeigt der Erfolg von Rappern wie De La Soul, Kendrick Lamar oder Yasiin Bey (ehemals Mos Def), die alle dem “Conscious Rap” zugeordnet werden und auch ohne Gewaltgebaren äußerst erfolgreich sind.